Daten: Sicher!

Wie man Projektdaten sichern kann – und wie nicht

backupWer bereits hinter sich hat, dass ihm eine Festplatte eingegangen ist, der weiß, wovon ich hier rede. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch wahnsinnig teuer wenn man sich entschließt, die Daten wiederherstellen zu lassen. Und dabei gibt es wiederum auch keine Garantie, alle Daten unbeschädigt zurück zu bekommen. Eine weitere Option ist, Drehtage zu wiederholen. Auch keine billige Angelegenheit. Umso mehr überrascht es, dass viele sich kaum bis gar nicht mit dem Thema beschäftigen: Backup’s!

Dabei muss noch erwähnt werden, dass die meisten Fehler an Festplatten die ich in den Jahren mitbekommen habe, auf den Mensch zurückzuführen sind.

Wie man es nicht tun sollte

Fangen wir mit dem an, was man unterlassen sollte. Viele der Beispiele sehe ich in nächster Umgebung und haben auch immer wieder zu Problemen geführt. Man übernimmt das gerne aus seiner bisherigen privaten Erfahrung, doch wenn man erstmal für einen Kunden alle Daten verloren hat, war es das wohl mit zukünftigen Aufträgen.

  • Alles auf einer Festplatte: Ich brauche wohl nicht beschreiben, was daran falsch ist.
  • Externe Festplatte: Ist im Grunde das selbe wie mit einer internen Festplatte, wenn sie drauf geht ist alles weg. Steigerung wäre dann noch, wenn man diese überall in seinem Rucksack mit sicher herum trägt.
  • Externes RAID0: Da viele am Laptop oder auf MacPro’s arbeiten die intern nur noch wenig Speicherplatz bieten, kauft man sich gerne für einen weiteren patzen Geld ein externes RAID System, das per USB oder Thunderbold angebunden wird.
    Je nachdem wieviele Festplatten darin enthalten sind, kann man es oft als RAID0, RAID1 oder RAID 5 konfigurieren. RAID0 bietet dabei immer den kompletten Speicherplatz des Systems, aber gleichzeitig den geringsten Schutz: Ist eine Festplatte dahin, ist alles dahin.
  • RAID1 oder RAID5: An sich eine gute Sache – das RAID1 nutzt zwei Festplatten, die sich immerzu spiegeln und so die exakt selben Daten beinhalten. Dadurch kann eine ausfallen, ohne das man Daten verliert. RAID5 benutzt man ab mindestens 3 Festplatten, auch hier kann eine ausfallen und die Daten sind noch vorhanden.
    In dem Moment, wo aber eine Festplatte ausfällt, gibt es die Daten auch nur noch einmal – bis man die defekte Festplatte ersetzt hat. Außerdem ist es üblich, dass sich RAID Systeme in einem PC, einem NAS oder einem externen Gehäuse befinden – was bedeutet, dass bei physischer Beschädigung wie ein Fall vom Tisch, ein Wasserglas fällt darauf oder es brennt – auch alles weg ist. Ideal wäre ein geschützter Raum, aber auch das ersetzt keine echte Sicherung.

Wie man es tun kann

Hier also einige Wege, wie man nervigen Datenverlust verhindern kann. Klar, es ist immer Zeit und Geld im Spiel, doch umso größer die Projekte, desto wichtiger ist ein vernünftiges Backup. Übrigens versuche ich von Selbstständigen auszugehen, die oft mit geringem Budget auskommen müssen und steigere mich dann etwas.

Bei fast jeder Sicherung ist sowieso zu empfehlen: Die Videodaten erst Sichern und dann die Kamera/Karten löschen.

Außerdem sind die folgenden Beispiele als Beispiele zu sehen: Die Konfigurationen sollten an Preis, Gegebenheiten und Anforderungen angepasst werden. Natürlich ist auch ein Mischen der Konfigurationen möglich, sowie ein Erweitern auf eine höhere Stufe.

Das Minimum: 1 von 3 Sicherheitspunkten

Eine interne, eine externe Festplatte.

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  • Man spielt die Videofiles von der Kamera/Karte auf die interne Festplatte des Computers – wo man mit ihnen arbeiten wird. Sichern auf eine externe Festplatte, einer zweiten Internen (jedoch nicht zu empfehlen), oder ein NAS mit einer Festplatte). Wenn man eine Festplatte vom Set bekommt, natürlich die externe Festplatte auf die interne spiegeln.
  • Unbedingt nach jedem Arbeitstag sichern!
  • Auf der externen Festplatte stehen nur die Daten der Zeit der letzten Sicherung zu Verfügung
  • Außerdem ist es wichtig, dass eine externe Festplatte nach dem Sichern nicht einfach liegen bleibt – paranoid oder nicht, die Festplatte einfach in einen anderen Raum, oder wenigstens ein geschütztes Kästchen legen. Damit kann man sie nicht vom Tisch schupsen, keine Getränke darüber leeren und die Chance, dass der Mitbewohner hergeht und sie auf der Suche nach einem USB Stick für sich verwendet, ist auch geringer.
  • Beim ersten Anzeichen einer fehlerhaften Festplatte empfiehlt es sich natürlich, diese sofort zu ersetzen.
  • Selbe Prinzip, wenn man eine externe Festplatte als Arbeitsfestplatte verwendet.
  • Preislich sehr günstig.
  • Die „besser als nichts“ Variante.

 

Das Medium: 2 von 3 Sicherheitspunkten

Eine interne, zwei externe Festplatten.

backup2

  • Vorgehen ähnlich wie bei „Das Minimum“, nur, dass man externe Festplatten, oder ein NAS mit einem RAID1 verwendet. Die Festplatten im RAID1 spiegeln sich automatisch, die interne Festplatte muss natürlich weiterhin von Hand auf die Externe/NAS gespiegelt werden.
  • Unbedingt nach jedem Arbeitstag sichern!
  • Am externen RAID stehen nur die Daten der Zeit der letzten Sicherung zu Verfügung.
  • RAID oder NAS wieder Räumlich vom Schnitt-PC trennen.
  • Beim Ausfall einer Festplatte, stehen zwei weitere zur Verfügung, was die Sicherheit erheblich erhöht. Fehlerhafte Festplatten dennoch sofort ersetzen!
  • Intern kann natürlich ein RAID0 verwendet werden für mehr Speicherplatz und mehr Geschwindigkeit.
  • Wiederum kann auch eine externe Festplatte als Arbeitsfestplatte verwendet werden.
  • Preislich natürlich mehr als doppelt so hoch wie eine einzelne externe Festplatte.
  • Die „ich sorge mich um Daten“ Variante.

 

Das günstige Maximum: 3 von 3 Sicherheitspunkten

Redundant intern und extern.

backup3

  • Die Arbeitsfestplatte ist bereits ein RAID1 oder ein RAID 5.
    • RAID1 besteht aus zwei Festplatten, die sich immer automatisch spiegeln. Die Geschwindigkeit beim Lesen der Daten erhöht sich (bis zu RAID0 Niveau), was dem Arbeiten entgegen kommt. Schreibgeschwindigkeit bleibt etwa auf der einer Festplatte. Eine Festplatte kann ausfallen ohne Datenverlust. Beispiel: Zwei 4 TB Festplatten ergeben wiederum 4 TB Speicherplatz.
    • RAID5 besteht aus mindestens 3 Festplatten, eine davon kann ausfallen. Dies empfiehlt sich, wenn man tatsächlich einen immensen Speicherbedarf zu decken hat. Höhere Lesegeschwindigkeit als einzelne Festplatte. Für höhere Performance braucht man einen oft teuren RAID Controller.
      Beispiel: Drei 4 TB Festplatten ergeben 8 TB Speicherplatz. Fünf 4 TB Festplatten ergeben 16 TB Speicherplatz.
  • Extern gibt es genauso ein RAID oder ein NAS mit RAID1 oder RAID5. Bei vielen parallelen oder großen Projekten, kommt man kaum am RAID5 vorbei. Dieses empfiehlt sich dann auch als Server/NAS geschützt aufzustellen, der Schnitt-PC wird per Netzwerk angebunden.
  • Intern und extern kann jeweils eine Festplatte ausfallen, ohne die Arbeit zu beeinflussen.
  • Wiederum kann auch eine externes RAID als Arbeitsfestplatte verwendet werden.
  • Preislich durchaus schon im gehobenen Bereich, aber auch mit gehobener Sicherheit
  • Die „ich bin doch kein Amateur“ Variante

 

Weitere Möglichkeiten (3+):

Natürlich ist das oben beschriebene bei weitem nicht alles, was geht. Hier noch ein paar Ideen, wenn man sich noch weiter entwickelt:

  • Daten trennen: Projektdaten und Videodaten separiert sichern. Als Beispiel werden die Videodateien einmal extern gesichert, dann erst wieder, wenn neue Daten hinzugekommen sind. Die Projektdaten liegen in einem separierten Ordner, der per OwnCloud, DropBox, GoogleDrive und Co. automatisch gesichert wird. Weniger Belastung auf den Backupfestplatten und bei einem Ausfall hat man meistens weniger Zeit verloren, als wenn man nur einmal täglich ein Backup macht.
  • Der Schnittserver:
    • Festplatten einbauen und konfigurieren – teurer, aber auch abgestimmt auf das, was er tun soll. 1 Gigabit Netzwerk reicht für einfache Produktionen oder für das Offline-Editing. Sonst sind 5 Gigabit und mehr ein Muss. Nur sicherer mit einem Vernünftigem RAID.
  • Der Schnittserver im Eigenbau:
    • Eine bei Bastler beliebte Variante ist, sich einen eigenen Server zu bauen. Dieser kann dadurch günstiger werden und da er nur Daten verteilt, braucht er meist nicht sehr kraftvoll zu sein. 1 Gigabit Netzwerk reicht für einfache Produktionen oder für das Offline-Editing. Sonst sind 5 Gigabit und mehr ein Muss. Nur sicherer mit einem Vernünftigem RAID.
  • Weitere, noch sicherere RAID Systeme:
    • RAID6: Ist vergleichbar mit RAID5, nur das zwei Festplatten ausfallen können. Etwas teurer, dafür sicherer. Mindestens 4 Festplatten.
      Beispiel: Sechs 4 TB Platten ergeben 16 TB Speicherplatz.
    • RAID10: Ist nichts weiter als ein RAID1, das von einem weiterem RAID1 gespiegelt wird. Sehr hohe Sicherheit, da bei mindestens 4 Festplatten, immer die Hälfte davon ausfallen kann. Gleichzeitig wird das System wie ein RAID0 gelesen, was sehr hohe Schreib/Lesegeschwindigkeiten verspricht.
    • Viele Firmen die NAS und Server anbieten, haben eigene RAID Systeme, die oft bessere Auslastung bei unterschiedlichen Festplattengrößen bieten.
  • Archiv Festplatten:
    Dabei werden zur nochmaligen Sicherung alle Daten ein weiteres Mal auf einer Festplatte gesichtert, die man an einem anderen Ort lagert. Oft wird das nur einmal in der Woche gemacht, dafür sind alle aktuellen Projekte darauf. Wenn diese voll ist, kann sie als Archivfestplatte gelagert werden.
  • Backup Server:
    Hier wird der Backup- oder Arbeitsserver erneut von einem Server gesichert. Je nach Ausführung kann er sogar als sofortiger Ersatz fungieren, wenn der erste Server ausfällt.
  • Reagieren: Wenn der Computer/Mac spürbar langsamer wird, wenn komische, neue Geräusche aus dem Gehäuse kommen, oder sogar Fehlermeldungen auftauchen, ist Zeit zu reagieren. Festplattentestprogramme suchen nach etwaigen Fehlern und man kann die Zeit bis zum Stillstand zum Sichern verwenden.

Spiegeln per Software

Da viele Varianten eine manuelle Sicherung verlangen, ist ein ordentliches Programm zum Spiegeln oder Synchronisieren ein Muss. Betriebssysteme bieten oft die Möglichkeit dies Automatisch zu erledigen, ich überlasse es dem Benutzer zu wählen, doch habe ich gerne die Kontrolle über das, was geschieht.

FreeFileSync

  • FreeFileSync
    • Open Source Programm (Gratis) für Windows/Mac/Linux
    • Synchronisiert, Spiegelt oder Updatet Ordner
    • Kopiert nur das, was sich verändert hat – spart viel Zeit
    • Schnell und konfigurierbar
    • Daten per Haken auslassen oder nur bestimmte Daten auswählen
    • Verschiedene Jobs abspeichern und abrufen
    • Realtime Sync um zwei Ordner immer aktuell zu halten
    • http://www.freefilesync.org/

Abschluss

Viele haben eine eigene Art, Daten zu sichern und sehen den ein oder anderen Vorschlag hier sicherlich als nicht so gut an. Hauptsache ist jedoch, dass gesichert wird. Ein Backup ist aber auch eine Frage des Preises und das sollte wiederum kein Grund sein, weshalb man darauf verzichten muss. Selbst eine Kopie auf einer BluRay ist noch immer besser als nichts. Die Festplattenpreise kommen einem aber mittlerweile sehr entgegen.

Sehr oft hat man erst Daten verlieren müssen oder war knapp davor, bevor man mit System ans Sichern herangegangen ist. Abgesehen davon, dass es dann oft zu spät war, schont es die Nerven ungemein. Womöglich liegt es aber auch daran, dass Daten zu sichern um vieles langweiliger ist, als Daten zu verlieren.

Stefan Eduard Krenn

Stefan Eduard Krenn

Er wurde in Wolfsberg/Kärnten geboren, lebt und arbeitet seit 2010 in Wien. Ausbildung hat er als Filmemacher, Regisseur, Dramaturg und Schauspieler, einen technischen Hintergrund durch eine vorgegangene Ausbildung zum Telekom.- & EDV Techniker. Speziell die Kombination aus Kreativität & Technik macht viele seiner Arbeiten aus, welche Spielfilme, Kurzfilme, Werbungen und weiteren Projekten beinhaltet. Weiteres auf stefaneduardkrenn.com

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