Das gebaute Bild

Die Geschichte um das Medium Film ist mittlerweile sehr lange, doch auch die Geschichte des „manipulierten“ Bildes ist auch ansehnlich und spannend. Bereits in den frühen Stunden des bewegten Bildes versuchte man sich an Tricks, die mehr Kreativität und Freiraum erlaubten, als das einfache Abfilmen.

Hinzu kam, dass manches nicht zu bauen war, oder ganz und gar unmöglich wäre – ob lebensgroße Dinosaurier, oder Städte in den Wolken. Der Kostenfaktor darf auch nicht vergessen werden, denn es ist genauso schneller, einfacher und dadurch günstiger ein Miniatur-Hochhaus zu explodieren zu lassen, als ein echtes.

Effekts1
Stop-Motion, Animatronik & CGI

Filmtricks

Die ersten „Tricks“ die man angewendet hat, waren noch sehr nah an dem Kamera, wie Zeitlupe und Zeitraffer. Das berühmte galoppierende Pferd von Eadweard Muybridge (1872) war nicht nur eine der ersten „filmhaften“ Aufzeichnungen (wenn auch eigentlich eine Serienfotografie die dann zu einem Film zusammengebaut wurde), sie war gleichzeitig eine Zeitlupe – auch wenn damals das Verständnis von Bildern in der Sekunde noch nicht gegeben war.

Hier positionierte man etliche Kameras am Weg des Pferdes seitlich entlang, so konnte man das Pferd in der Mitte halten und gleichzeitig mehrere Bilder hintereinander schießen. Was man genauso mit einem (sehr schnellen) Dolly oder Fahrzeug und einer Zeitlupenkamera hinbekommen würde. Doch wurde diese Technik beinahe 100 Jahre später adaptiert, um als „Bullet-Time“ Effekt ein Comeback zu feiern. Einzelne Fotoapparate die so aufgebaut wurden, dass man zwischen zwei Filmkameras in schier unmöglich-schneller Zeit, eine Kamerabewegung hinbekommt.

Auch sehr beliebt war der Split-Screen, oder auch die Doppelbelichtung. So konnte man Bildbereiche mit etwas komplett Anderem füllen, oder als Beispiel die selbe Person zwei- oder mehrmals in einem Bild zeigen.

Techniken vor der Linse

Wohl aus dem Bewusstsein von richtig gesetzten Schnitten (oder Stopptrick – womit man in den Anfängen gerne Zauberei erzeugt hat, wie erscheinende und verschwindende Personen und Gegenstände), entstand womöglich die Stop-Motion Technik. Dabei wird jedes einzelne Bild auf einer Filmrolle, auch einzeln abfotografiert. Minimale Bewegungen an Kamera, Gegenständen und Figuren erzeugen einen Bildfluss und beim Abspielen im Idealfall eine flüssige Bewegung.

Wie viele der genannten Techniken, wurde Stop-Motion auch von Georges Méliès erfunden und angewandt. Méliès, der selbst knappe 200 Filme gemacht hatte (die vor Tricktechnik nur so strotzten), gilt als Pionier der Filmgeschichte und natürlich auch der Filmtricks. Stop-Motion hielt sich noch lange, bis man es großteils durch den Computer ersetzte. Doch nach wie vor gibt es ganze Filme, Musikvideos, Werbungen, Kurzfilme die darauf aufbauen. Manchmal werden Szenen oder Figuren mit Stop-Motion erschaffen, um einen bestimmten Stil zu erreichen.

Meilensteine waren die Dinosaurier aus „Lost World“ von 1925, animiert von einem weiterem Pionier von Stop-Motion, Willis O´Brien, der auch „King Kong und die weiße Frau“ aus 1933 mit einem animierten Riesenaffen beglückte. Ray Harryhausen war etwas später für noch nicht gesehene Qualität und Details, sowie Anzahl der Figuren auf der Leinwand verantwortlich. Im speziellen der Kampf gegen animierte Skelette von „Jason und die Argonauten“ aus 1963 wird oft zitiert und genannt. Damals hatte man eine so gute Verschmelzung von Animationen und Film noch nicht gesehen.

Für einzelne Effekt-Shots wurde die Technik bis in den 80ern eingesetzt, so entstanden in den ersten „Star Wars“ Teile viele der Animationen von Figuren und Gerätschaften noch mit der Technik. „Go-Motion“ wurde kurze Zeit über eingesetzt – dabei bewegt man zusätzlich motorisch den zu animieren Gegenstand, um Bewegungsunschärfe zu schaffen, damit es filmischer aussieht. Um ein Haar wären sogar die Dinosaurier aus „Jurassic Park“ von 1993 noch mit Stop-Motion entstanden.

Eine weitere Technik sind die Modellaufnahmen, die sich auch bis heute halten. Man baut ein detailliertes Modell und filmt es so, dass es größer wirkt. Damit kann man nicht nur vorhandenes nachbauen, sondern auch neues erfinden. Bekannte Beispiele sind jegliche Raumschiffe aus den ersten „Star Wars“ Teilen, viele der Häuser aus „Independence Day“ (1996) – die allesamt in die Luft fliegen – bis hin zu einer Landschaft aus „Goldeneye“ (1995), Gotham City aus „Batman“ (1989), die Schule Hogwarts aus den „Harry Potter“ Filmen (die dann auch durch CGI ersetzt und erweitert wurde), sowie viele Sets und Bauten aus „Der Herr der Ringe“. So nutzt man Miniaturen nicht nur um schwierige Sets und Modelle zu bauen, sondern eben auch als Hintergrund für Szenen. So brauste Harrison Ford in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (1984) in Wirklichkeit durch einen Miniaturtunnel – seine Kollegen und er im Schachtwagen wurden in das Bild eingefügt. Noch nennenswert ist ein 21 Meter langes, detailiertes Modell der Titanic, die für den Film „Titanic“ (1997) für viele Szenen hergehalten hat.

Noch eine Technik die heute fast zur Gänze aus dem Computer kommt, ist Matte Painting. Dabei wird ein Teil des gewünschten Bildes auf ein Glas gemalt, die Teile in denen als Beispiel Schauspieler agieren, werden frei gelassen. Dadurch kann man ein Set künstlich erweitern, wie es in „Blade Runner“ (1980) für viele der Städtepanoramen angewandt wurde. Nach wie vor wird sie in ihrer Grundidee angewandt, wenn auch die Umsetzung oft komplett digital stattfindet.

Nicht ungenannt sollte auch das Schufftan-Verfahren sein – dabei nutzte man Spiegel, die vor die Kamera gestellt wurden und ein Miniatur oder eine Zeichnung über/neben der Kamera reflektierten. An den Stellen wo man die Schauspieler und die echten Sets haben wollte, kratzte man die Spiegelschicht weg. In „Metropolis“ aus 1927 waren so etliche, gigantisch aussehende Seterweiterungen möglich.

metropolis

Auch vor der Kamera – jedoch hinter dem Geschehen – fand die Rückprojektion statt. Was heute durch den Greenscreen ersetzt wurde, war früher durch eine Projektion des Bildhintergrundes auf eine Leinwand möglich. Man kennt die typischen Szenen, wo jemand im Auto sitzt und im Hintergrund (oft sehr unrealistisch) sieht man Aufnahmen von der gefahrenen Strecke. Angewandt wurde es lange, da man zwecks der damals noch neuen Tonaufnahmen (und der nicht portablen Mikrofone) viel im Studio arbeiten musste. Noch heute werden Hintergründe gerne auf große Leinwände gedruckt (wie Beispielsweise die Landschaft-Aussicht vieler „Harry Potter“ Sets, sowie auch der Strand von Malibu, in „Two and a halfe man“ die zusätzlich bewegt & beleuchtet wird), anstatt später per Computer ersetzt. Das erspart viel Zeit und Geld, und sieht oft nicht schlechter aus.

Abgesehen von den „Muppets“, die zwar auch Puppen sind, aber nicht ganz das was ich gerade meine, war Stan Winston so etwas wie der König der Puppen und praktischen Effekte – zumindest was Film angeht. Er bastelte den T-1000 aus Terminator 2 (1991) als er gespalten in der Gegend herum spazierte, sowie die weiten, kämpfenden Skelett-Terminatoren. Baute einen lebensgroßen, sich bewegenden T-Rex für Jurassic Park (1993), verlieh Johnny Depp Scherenhände (Edward mit den Scheerenhänden, 1990), sorgte für ein sich bewegendes Alien (Aliens, 1986) und war für viele der besten Effekt-Schminken verantwortlich.

Außerdem zeigte er wie wichtig es sein kann, wenn man etwas am Set hat mit dem man agieren und darauf reagieren kann. Den selbst der beste Computereffekt vermag es nicht, mit dem Schauspieler direkt zu interagieren. Außerdem ist ein schlechter praktischer Effekt oft noch um Welten besser, als ein schlechter CGI Effekt.

Fix it in the post!

Als in „Young Sherlock Holmes“ aus 1985 der gläserne Ritter aus dem Kirchenfenster sprang und den Pfarrer zu Tode erschrak, wurde eine neue Ära eingeleitet. John Lasseter, der damals bei Lucasfilm arbeitete, (heute ist er Chief Creative Officer bei Pixar und Walt Disney Animation Studios) zeichnet sich dafür verantwortlich. Immer mehr Effekte wanderten in den Computer, doch vor allem in der Übergangszeit waren die schlaue Mischung aus Echtem und CGI der Schlüssel.

So war es auch in „Terminator 2“ (1991), der Effekte beinhaltet, die noch immer standhalten. Aber auch Jurassic Park (1993) konnte nicht nur mit den ersten beinahe lebensecht aussehenden Dinosauriern (bzw. einfach Tieren) aus dem Computer auffahren, sondern erst die Mischung aus mechanischen Puppen von Stand Winston und cleverem hin und her schneiden zwischen den Effekten, machte den Trick.

ILM, die im zuge der Arbeiten von den ersten Star Wars Teilen aus Lukasfilm entstanden, sind bis heute quasi Branchenprimus und haben auch die oben genannten Filme mit erschaffen. Denis Murren von ILM war es auch, der Steven Spielberg überredete, die Dinosaurier in Jurassic Park (1993) am Computer, statt in Stop-Motion zu bauen. Die ersten Tests (bewegte Dinosaurier Skelette) wurden mit sehr positiver Resonanz aufgenommen, sogar einige Änderungen am Skript wurden aufgrund der neuen Technik gemacht – wie auch dieser Dialog: Grant: „…das heißt wohl, dass wir arbeitslos sind.“ Malcolm: „Sie wollten wohl sagen: ausgestorben.“ Der Legende nach war das eigentlich ein Gespräch zwischen Stop-Motion Animateuren.

cgi

Heute wissen wir, wie breit CGI gefächert werden kann. Zwar haben wir nach wie vor Probleme – als Beispiel Menschen 100% glaubhaft darzustellen – doch man verwendet CGI für Hintergründe, für Flugaufnahmen, Animierte Charaktere, Seterweiterungen, Tiere, Menschengruppen und Effekte aller Art… kurz gesagt: für alles. Manchmal ist sogar der Anteil an echtem Material verwindend gering – man erinnere sich nur an Gravity (2013), wo über einen großen Teil die Gesichter der Darsteller das einzig echte waren. Dies funktioniert, da man vor allem bei festen Materialien einen Punk erreichte, wo es durchgehend realistisch aussieht. 2009 wurde hier jedoch ein Meilenstein gesetzt – ein etwa 1000 Terabyte schwerer. So entstand die Welt „Pandora“ aus dem Film „Avatar“ rein aus dem Computer und sieht (abgesehen von ihrer Nicht-Erdähnlichkeit) verdammt echt aus.

Ein paar Jahre davor, konnte man mit „Der Herr der Ringe“ Trilogie eine weitere Domäne der Computer weiter ausbauen. Mit dem Programm „Massive“ (für Weta Digital entwickelt), konnte man wie bei Computerspielen, einzelnen Figuren vordefinierte Bewegungen und Handlungen, sowie Charaktereigenschaften zuweisen. Doch nicht nur das – eine künstliche Intelligenz sorgte für eine Steuerung der einzelnen Charaktere. So kämpfen sie automatisch gegen den Feind – und das zu hundert-, oder tausendfach.

Immer beliebter wird auch das „Motion Capturing“ Verfahren. Dabei werden Körper und/oder Gesichtsbewegungen gefilmt und getrackt, damit man diese einfacher auf einen digitalen Charakter übertragen kann. Das erspart dem Animateur viel Arbeit (was nicht jeden freuen dürfte), vor allem aber der Detailgrad der Bewegungen macht einen großen Unterschied, da vieles dadurch sehr viel realistischer aussieht.

Abschließend

Wie so oft könnte man noch lange weitermachen und viele Beispiele nennen. Außerdem wird sich in Zukunft noch viel ändern, doch interessant ist, dass man heute gerne mal wieder einen Schritt zurück geht und zu praktischen Effekten greift. Das ist natürlich auch eine Geldfrage, doch oft auch nur eine Frage des Ideenreichtums der Schöpfer.

Sich vom Computer retten zu lassen – das ist ein Fangnetz, das gerne genutzt wird. Wie schon erwähnt, ist es aber nicht immer der ideale Weg, vor allem bei Laien, oder wenn man zu wenig Budget hat. Die Auswahl der richtigen Methode für die richtige Szene und Einstellung ist sehr wichtig – so erreicht man auch ein gutes Verhältnis zwischen Preis, Qualität und Aufwand.

Das schöne am Blick zurück ist, wie sehr sich manche Menschen bemüht haben, um etwas zu schaffen. Wie viel Herzblut und Wissen in Bildern stecken kann. Wie viel man mit wenig erzeugen konnte. Aber auch, wie sehr Effekte die Filmlandschaft geprägt haben.

Was wären Filme ohne Raumschiffe? Ohne Dinosaurier? Ohne explodierende Städte? Ohne Monster? Ohne übertrieben großer Armeen? Ohne Geister, Menschen die meterweit springen und Pistolenkugeln ausweichen können? Ohne einen fliegenden Superman? Ohne einen Hai der ein Boot auseinander nimmt? Ohne leuchtende Laserschwerter? Ohne einen unmenschlicheren Gollum? Ohne einen zaubernden Zauberlehrling?

Es wäre Fiktion. Nur am Papier und im Kopf.

Stefan Eduard Krenn

Stefan Eduard Krenn

Er wurde in Wolfsberg/Kärnten geboren, lebt und arbeitet seit 2010 in Wien. Ausbildung hat er als Filmemacher, Regisseur, Dramaturg und Schauspieler, einen technischen Hintergrund durch eine vorgegangene Ausbildung zum Telekom.- & EDV Techniker. Speziell die Kombination aus Kreativität & Technik macht viele seiner Arbeiten aus, welche Spielfilme, Kurzfilme, Werbungen und weiteren Projekten beinhaltet. Weiteres auf stefaneduardkrenn.com

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