Celtx – Drehbuch schreiben

Drehbücher einfach in einem Standardformat schreiben

Der Artikel setzt sich aus zwei Teilen zusammen, den zweiten finden sie hier: Celtx – Produktionen planen


Wenn man den Schritt vom kleinen Homevideomacher zum professionellen – oder zumindest semiprofessionellen – Filmemacher macht, ergibt sich meist schon ganz am Anfang ein Problem. Verzweifelt versucht man im Internet herauszufinden, wie man denn ein Drehbuch schreibt und vor allem: Wie man es formatiert. Gerne hilft man sich damit, indem man Lektüre darüber kauft und in unserem Lieblings-Schreibprogramm formatiert man sich danach zu tode – wobei man sich eigentlich auf etwas ganz anderes konzentrieren sollte: Das Drehbuch.

Die Herausforderung: Gut, günstig und mit Mehrwert

Irgendwann bin ich auf das Programm Celtx gestoßen, das einen schon kurz nach dem Klick auf das Programmsymbol um einiges professioneller wirken lässt. Aber das ist mittlerweile auch schon etliche Jahre her. Und das auch noch für Lau. Gratis. Kostenlos, also. Zumindest in der Grundausführung, es gibt sehr wohl das sogenannte „Celtx Studio“, das einige Euro kostet. Für die meisten Anwender die gerade erst starten, wird die freie Version aber mehr als genug sein.


Celtx-1Nach dem Installieren und Öffnen erwartet einen der Startbildschirm, der einem gleich Vorlagen für Drehbuch, Audio/Video, Theaterstück, Hörspiel, Storyboard, Comic und Roman bereit hält. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf Drehbücher – und klicken das auch an.

Es öffnet sich das Hauptfenster und schon kann man loslegen – aber eines nach dem anderen.

Aus Erfahrung weiß man natürlich, umso genauer man von Anfang an arbeitet, umso weniger Arbeit wird es dann bis zum Ende hin. Darum ist eines der ersten Dinge dich immer mache, die Datei abspeichern. Dabei wähle ich natürlich den Namen des Skripts oder den Arbeitstitel, dazu kommt noch ein Hinweis, um welche Version es sich handelt. Als Beispiel: „Testskript – Draft 1“. Wenn man das Drebuch das erste mal fertig geschrieben hat, kann man die Datei kopieren und sie „Testskript – Draft 2“ nennen und dann wieder überarbeiten. Dadurch erhält man eine gute Versionsübersicht, Sicherungen der original Skripts (kein Backup!) und wenn man sie weiterschickt um andere Leute ins Projekt einzubeziehen, hat man dadurch einen Vergleichswert. Und auch gleich ein „Achtung“ nachgeschoben: Diese Art der Versionisierung funktioniert nur in den Vorversionen und während man noch am Skript arbeitet. Sobald ein Drehbuch fixiert ist, gibt es maximal in der Celtx Datei weitere Versionen – später erkläre ich noch warum.

Wenn man die Oberfläche des Programmes bis nach unten verfolgt, entdeckt man verschiedene „Reiter“ wie Buch, Formatierung/PDF usw. Dort gehen wir sogleich auf die Titelseite und füllen alles brav aus – auch hier schreibe ich gerne einen Versionshinweis hin, aber erst wenn die Produktion wirklich gestartet hat.


Die ersten Worte

Wieder zurück im Reiter „Buch“ finden wir auf einer weißen Fläche einen grauen Balken, der darauf wartet, eine Szenenüberschrift zu erhalten. So etwas wie:

INT. HAUSEINGANG – DAY

INT. steht dabei für Innen (im Gegensatz zu EXT für Draußen), danach kommt eine kurze, aber eindeutige und nur einmal vorkommende Beschreibung des Drehortes. Wenn es zwei Hauseingänge gibt, dann schreibt man als Beispiel „HAUSEINGANG 2“ oder „HAUSEINGANG WOHNUNG MARIA“. Celtx schlägt bei der nächsten Szene auch gleich alle vorhanden Lokations wieder vor – also braucht man nich immer alles neu schreiben, wenn ein Drehort öfter vor kommt. Zum Schluss steht noch „DAY“ (man kann auch „TAG“ schreiben), oder wenn es dunkel sein soll, natürlich „NIGHT“ oder „NACHT“.

Nachdem man Enter gedrückt hat, springt man in die nächste Zeile und oben bei den Formatierungseigenschaften, erkennt man, dass dort von „Überschrift“ in „Handlung“ gesprungen wurde. Also schreiben wir mal eine Handlung!

Maria geht zum Gemüsehändler und bestellt etwas.

Wir sehen: Maria handelt, also ist es eine Handlung. Aber, wie man schon erahnt, kommt jetzt gleich Text hinzu. Dialog also. Wir springen wieder in die nächste Zeile und entweder definiert man mit der Maus nun oben in den Formatierungseigenschaften die Rolle, die gleich etwas spricht, oder man benutzt die Tabulator Taste, um die Formatierung auf „Rolle“ zu ändern. Nun können wir einfach „MARIA“ schreiben und wieder Enter betätigen, schon springt er in die Formatierung für den „Dialog“.

Drei Tomaten und ein Radieschen, bitte!

Wieder Enter gedrückt und Celtx erwartet, dass man noch weiter am Dialog arbeitet. Aber nein, wir springen mit nochmals Enter zurück in die Handlung und sorgen dafür, dass der Gemüsehändler nonverbal darauf reagiert.

Der Gemüsehändler ist irritiert.

Wieder Enter und wieder Tabulator, nun geben wir „GEMÜSEHÄNDLER“ als Rolle ein und der weitere Dialog folgt:

Was? Nur ein einzelnes Radieschen?

Wir sehen, die Szene spitzt sich an! Und so sieht das mittlerweile aus:

Celtx-2

Schon besser als mit irgendwelchen Schreibprogrammen, oder? Außerdem übersichtlicher und zumindest in der Grundform rund um den Globus verständlich. Mit weiteren „Enter“ und „Tabulator“ Drückern schafft man es bereits, ein komplettes Drehbuch zu schreiben und dann unter dem Reiter „Formatierung/PDF“ zu exportieren oder zu drucken. Dort bitte noch unter „Formatierungsoptionen“ die über dem Skript sind, die Blattgröße auf A4 einstellen. Aber Celtx kann noch mehr!

Lesen Sie im zweiten Teil, wie man mit Celtx in die Produktion übergeht:  Celtx – Produktionen planen


Weiteres unter: https://www.celtx.com/

Stefan Eduard Krenn

Stefan Eduard Krenn

Er wurde in Wolfsberg/Kärnten geboren, lebt und arbeitet seit 2010 in Wien. Ausbildung hat er als Filmemacher, Regisseur, Dramaturg und Schauspieler, einen technischen Hintergrund durch eine vorgegangene Ausbildung zum Telekom.- & EDV Techniker. Speziell die Kombination aus Kreativität & Technik macht viele seiner Arbeiten aus, welche Spielfilme, Kurzfilme, Werbungen und weiteren Projekten beinhaltet. Weiteres auf stefaneduardkrenn.com

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